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#8 Die Schwelle & große kleine Nebenprojekte

28.09.2017 gelesen: Menschenwerk von Han Kang. Ihr Buch Die Vegetarierin, gewann letztes Jahr den prestigeträchtigen Man Booker Prize. Darin geht es um eine Frau, die aufhört Fleisch zu essen, was ihre Familie, die Menschen in ihrer Umgebung, die Gesellschaft nicht verstehen können. In Menschenwerk geht es um einen Aufstand in den 1980er gegen die südkoreanische Militärdiktatur – ich wusste praktisch gar nichts darüber, bevor ich dieses Buch angefangen habe. A shame. Zu Beginn ist es ein sehr unaufgeregtes Buch. Es erzählt sehr ruhig vom Tod vieler (junger) Menschen und ihrer Leichen – wo diese untergebracht werden können, in Turnhallen, in Gebäudefluren. Als jemand, der in Light That Flame und gerade in Burn That Wall viel über die Möglichkeiten von Widerstand und Regimewandel schreibt, geht mir dieser echte Fall von gescheiterter Rebellion zurzeit insbesondere nahe. geschrieben: Den midpoint, die Mitte von Burn That Wall. Ich habe gestern den Punkt überschritten, den ich gern die Schwelle nenne: auf der einen Seite denke ich, während ich schreibe, ständig, dass nichts zusammenpasst, what am I even doing, does any …

#7: Gewalt, Genres, #makingyourcharacterssuffer

20.09.2017 gelesen: Im Herzen der Gewalt von Édouard Louis. Sein gefeiertes Debüt, Das Ende von Eddy, habe ich an mir vorbeiziehen lassen, da ich nicht der größte Fan von autofiction bin. Aber dann nahm ich in der wunderbaren Ossietzky Buchhandlung in Flensburg ein Buch in die Hand: der Umschlag faszinierte mich, die erste Seite war meisterhaft (brillant übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel). Erst eine mitreisende Freundin machte mich darauf aufmerksam, dass es von Édouard Louis ist. Wieder einmal stellt sich heraus: Don’t judge a book by its genre. Es geht im Herzen der Gewalt auch um – wer hätte das gedacht – Gewalt, ein Thema, mit dem ich mich bei Burn That Wall viel auseinandersetze. Gerade in YA/Fantasy Büchern gibt es viel Gewalt, ohne, dass es immer reflektiert wird. Gewalt wird oft noch als etwas Heroisches dargestellt. geschrieben: Den letzten polish von der Serie, an der ich zur Zeit für ITV arbeite. Endlich nimmt es Form an. Außerdem natürlich mehr Burn That Wall. Endlich wieder zurück in London. So sehr ich das Paris und Berlin dieser …

#6 Klassiker, Berlin, Lesung!

13.09.2017 durchgelesen: THE POWER von Naomi Alderman. A classic in the making! Was für ein umwerfendes Buch. Gerade in dem Moment, als ich glaubte, sie würde die Spannung nicht halten können, hat sie genau den richtigen Dreh gemacht und Tunde und Roxy zusammengeführt. Hat mich wieder daran erinnert, warum ich Dystopien so verehre. Und hilft mir sehr bei der Arbeit an Burn That Wall. Dystopian London, here we come. geschrieben: So viel Burn That Wall. Es ist beinahe Zeit, Berlin Auf Wiedersehen zu sagen, was mich sehr traurig macht. Es ist eine tolle Welt! unterschrieben: eine Abrechnung für einen Lehrauftrag. Ich freue mich darauf, wenn die Romanwerkstatt an der Uni Bonn im Oktober wieder losgeht. Meine Studierenden fehlen mir. gelernt: Debütautoren werden vielleicht doch auf Lesungen eingeladen. Ganz vielleicht. Warum ein Tagebuch? | Alle Einträge: tagebuch im blog

#5 20er, E-Mails, Cover (fast!)

30.08.2017 gelesen: The Other Typist von Suzanne Rindell. Ich will mir das Buch schon seit Jahren kaufen, aber es fiel mir immer nur auf Deutsch in die Hände, und die Erzählstimme ist auf Englisch einfach zu schön. Jetzt habe ich endlich in London bei Gay’s the Word zugegriffen. Irgendwo zwischen einem Thriller und einer Liebesgeschichte im New York der 1920er. Alles, was ich mag. Nicht umsonst orientiert sich die Welt des dritten Bandes von Touch That Fire an den Goldenen Zwanzigern in Berlin. Nur mit mehr Elektro. geschrieben: Neben Burn That Wall: sehr viele E-Mails. Früher habe ich nicht verstanden, warum meine Mutter stundenlang über Papierkram saß. Jetzt weiß ich genau, was sie gemacht hat. Hätte darauf verzichten können. unterschrieben: eine Rechnung. Immer ein gutes Gefühl. gelernt: wie die Buchcover aussehen werden! Ich bin hingerissen. Ich kann es kaum abwarten, bis wir sie veröffentlichen dürfen! Warum ein Tagebuch? | Alle Einträge: tagebuch im blog

#4: Power, Korrekturen, Tsundoku

23.08.2017 gelesen: Mehr von THE POWER von Naomi Alderman. Bin auf Seite 60 und inzwischen hellauf begeistert. What a global scope! Und ein geniales Gedankenexperiment. Die These, dass Männer das „starke“ Geschlecht sind, weil sie wortwörtlich das körperlich stärkere Geschlecht sind, ist unfassbar faszinierend. Spannend ist auch, wie sehr Alderman ihre Prämisse mit Religion verknüpft (es entsteht in den USA eine neue Version des Christentums). Das ist eine Perspektive, die ich praktisch nie einnehme, ich säkularisierter Städter. geschrieben: die Korrektur von LIGHT THAT FLAME, Band II von TOUCH THAT FIRE. Ich will Band III nicht vorausgreifen, aber ich glaube, mit LIGHT THAT FLAME meinen Lieblingsband geschrieben zu haben (of course you have favourite kids). Zum Glück glaubt meine Lektorin das offenbar bisher auch. Es war nicht so viel zu tun wie beim ersten Band. unterschrieben: einen Agenturvertrag. Hardman & Swainson, ihr seid die Größten! gelernt: das japanische Wort dafür, Bücher zu kaufen und sie ungelesen auf den Bücherstapel zu lesen: Tsundoku (danke, LOST IN TRANSLATION – erschienen bei Dumont) Warum ein Tagebuch? | Alle Einträge: …

#3 Naive Charaktere, es wird spannend, kurze Sätze

18.08.2017 gelesen: Meine Schreibmaschine und ich von Thomas Glavinic. Geliehen von einem Freund, der ein wahres Multitalent ist (schreiben, Musik, Schauspiel). Glavinic schreibt alles, was er schreibt, unfassbar humorvoll. Bei Literatur geht es um Abgründe, sagt er. Bei Touch That Fire gibt es gleich mehrere davon. Scham ist einer der interessantesten, wie ich finde. geschrieben: Kapitel zwei von Burn That Wall. Ich finde es großartig, zu Beginn eines Buches bereits den zentralen Konflikt anzudeuten, obwohl die nichtsahnenden Charaktere noch glauben, es sei alles nicht so schlimm. Naiv. unterschrieben: den Pressefragebogen für Blanvalet, meinen Verlag. Man merkt, dass das Tempo höher wird: erst das Gespräch zu Lesungen, jetzt den Pressefragebogen, die Korrekturen von Band II … Es geht los! gelernt: kurze Sätze sind gut, wenn Tempo erzeugt werden soll (Action- und Kampfszenen aber auch, ironischerweise, Liebesszenen), doch wenn sie im Rudel auftreten, verlieren sie ihren Effekt. Wie das meiste. Außer Alkohol. Warum ein Tagebuch? | Alle Einträge: tagebuch im blog

#2 Antagonist III, Zombies, lauft! & Finanzamt

09.08.2017 gelesen: The Power von Naomi Alderman. Sprachlich, wie so oft, unauffällig, aber eine sehr spannende Prämisse: Was, wenn Frauen auf einmal das körperlich starke Geschlecht wären? Tolle Szene, wo eine Tochter die Fähigkeit, Elektroschocks auszusenden, an ihre Mutter weitergibt. Außerdem sehr erfreulich, dass das Buch mit Szenen in verschiedenen Weltregionen losging. Im Moment wieder viel USA, aber ich bin noch ganz am Anfang. Bailey-Preis-Trägerin! Außerdem hat sie die App Zombies, Run! gemacht, die wohl beste Idee aller Zeiten. geschrieben: Trotz Urlaubs ist das erste Kapitel von Burn That Wall fertiggeworden. Mit meiner liebsten Einführung eines Antagonisten überhaupt – or is he? Außerdem noch Nebenprojekt zu Ende gebracht, an dem ich seit Jahren (2008?) arbeite. Es geht bald an meine Agentin – Daumen drücken! unterschrieben: Ein SEPA-Lastschriftmandat fürs Finanzamt. #erwachsenwerden gelernt: Wasserglaslesung? Pff. Wir können aus einer Lesung ein Event machen, alles dank den unglaublich talentierten Vanessa Basilio de Luca und Clara Clasen, die mich schauspielerisch und musikalisch begleiten werden. Sobald es Termine gibt, gibt es Bescheid! Alle Einträge: tagebuch im blog

Tagebuch #1: Fitzgeralds Frauen & große Pläne

31.07.2017 gelesen: I’d Die For You and Other Lost Stories von F. Scott Fitzgerald Wunderschönes Cover. Schöne Sprache, wenn auch gewohnt schlicht, wie es die kanonisierte US-amerikanische Literatur eben so ist. Ich lese dieses Buch jetzt die dritte Woche und langsam halte ich nicht mehr aus, wie gleichförmig die weiblichen Figuren bei Fitzgerald sind: mehr oder minder hysterische, hübsche junge Frauen, die sich primär für Männer interessieren. In der titelgebenden Geschichte will sich eine junge Schauspielerin für einen Mann (der Fitzgerald zufälligerweise sehr ähnelt) umbringen; dann entscheidet sie, es doch nicht zu tun, und zwar, weil da ja noch ein anderer Mann ist, für den sie sich interessiert. Herrje.